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Die Anatomie der Hüfte

Das zweitgrößte Gelenk des Körpers verbindet die Beine mit dem Becken. Alles über die Anatomie der Hüfte – und welche Erkrankungen zu Schmerzen am Hüftgelenk führen.

Viele fragen sich, wo sich die Hüfte beim Menschen eigentlich befindet. Denn anders als zum Beispiel die Knie, lassen sich die beiden Hüftgelenke kaum ertasten. Sie sitzen rechts und links in der Leistengegend und stellen die Verbindung zwischen dem Becken und den Beinen dar. Auch wenn das Viele meinen: Die Hüftknochen, die wie Schaufeln rechts und links unterhalb der Taille greifbar sind, haben mit dem Hüftgelenk nicht viel zu tun.

Die Anatomie des Hüftgelenks

Das Hüftgelenk, nach dem Knie das zweitgrößte des Körpers, verbindet das Becken mit den beiden Oberschenkelknochen. Aufgrund seiner Anatomie ordnet man es den Kugelgelenken zu: Der Oberschenkelkopf – das obere Ende des Oberschenkels, das auch „Hüftkopf“ heißt – ist kugelförmig. Er steckt in der Hüftgelenkspfanne, die Teil des Beckenknochens ist und ihn wie eine Schale umgreift. 

Wie alle echten Gelenke ist das Hüftgelenk von einer Gelenkkapsel umschlossen, zusätzlich stabilisieren es Bänder aus Bindegewebe. Die Innenhaut der Gelenkkapsel produziert die Gelenkschmiere. Diese viskose Flüssigkeit erleichtert jede Bewegung, weil sie die Reibung verringert. Die beiden Knochenenden, die im Hüftgelenk aufeinanderstoßen, sind von einer glatten Schutzschicht überzogen, dem Knorpel. Er wirkt wie ein Stoßdämpfer und verhindert, das Aneinanderreiben der beteiligten Knochen.

Die Hüftgelenke sind für unseren Gangbild essentiell. Mehrere Muskeln bewegen und stabilisieren es und sorgen somit für ein sicheres Laufen. Doch das Hüftgelenk kann noch viel mehr: Unterstützt von Muskeln, kann es rotieren sowie das Bein nach innen, außen, vorn oder hinten und seitlich bewegen.

Schmerzen in der Hüfte

Schmerzen in der Hüfte können viele verschiedene Gründe haben. Oft sind sie harmlos, doch manchmal liegt eine ernstzunehmende Erkrankung zugrunde. So steigt beispielsweise mit dem Alter das Risiko für Hüftgelenksarthrose, eine der häufigsten Erkrankungen des Hüftgelenks, bei der der Knorpel abnutzt und das Gelenk sich entzündet. Ärzte nennen diesen schmerzhaften Gelenkverschleiß auch „Coxarthrose“, weil das lateinische Wort für „Hüfte“ „Coxa“ lautet.

Jede zweite Frau und jeder dritte Mann über 60 haben Arthrose. Meist betrifft die Erkrankung das Knie, am zweithäufigsten das Hüftgelenk: Jeder Vierte über 80 hat Probleme damit. Fünf von hundert Menschen sind irgendwann in ihrem Leben wegen einer Hüftarthrose in ärztlicher Behandlung.

Je nachdem, wo, wann und bei wem die Hüfte schmerzt, kommen unterschiedliche Erkrankungen infrage. Bei Schmerzen in der Hüfte sind folgende Ursachen für Schmerzen denkbar:

  • Hüftgelenksarthrose (altersbedingt oder durch Fehlbelastung)
  • Hüftgelenksdysplasie (angeborene Fehlbildung der Hüftgelenkspfanne)
  • Hüftgelenksluxation (Verrenkung; wenn der Oberschenkelkopf aus der Pfanne springt, z. B. durch einen Unfall)
  • Hüftschnupfen (flüchtige Entzündung des Hüftgelenks ohne Knorpelverschleiß; meist bei Kindern)
  • Hüftkopfnekrose (Gewebeschäden im Oberschenkelknochen, entstanden durch Minderdurchblutung)
  • Schleimbeutelentzündung (z. B. durch eine rheumatische Erkrankung, Überlastung oder eine Beinlängendifferenz)
  • Impingementphänomene, bei denen es zu einer schmerzhaften Einklemmung zwischen Pfanne und Oberschenkelkopf kommt, häufig auch mit Läsionen der Gelenklippe, des sog. Labrums vergesellschaftet

Nicht alle Hüftgelenkserkrankungen müssen operiert werden. Oft helfen sogenannte konservative Therapien, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit des Hüftgelenks wiederherzustellen. Sind diese Möglichkeiten ausgeschöpft, kommen Patienten um einen chirurgischen Eingriff jedoch oft nicht herum.

Hüftgelenks-OP: Wann ist sie sinnvoll?

Zu den häufigsten Operationen an der Hüfte zählt das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks, einer sogenannten Hüftprothese, in der Fachsprache auch „Hüft-TEP“. Ärzte schlagen diese Operation jenen Patienten mit Hüftgelenksarthrose vor, bei denen alle anderen Maßnahmen die Schmerzen nicht mehr lindern konnten und der Gelenkverschleiß weit fortgeschritten ist. Das Fachgebiet für Gelenkersatz heißt in der Medizin Endoprothetik.

In Deutschland bekommen jedes Jahr mehr als 200.000 Menschen erstmals eine „neue Hüfte“. Damit setzen Ärzte in Deutschland künstliche Hüften häufiger ein als künstliche Kniegelenke. Am Deutschen Zentrum für Orthopädie führen wir mehr als 1.000 Hüftendoprothesen-Operationen im Jahr durch.

Auch wenn eine Hüftprothese heute meist sehr lange hält: Manchmal ist ein Austausch einzelner Komponenten aufgrund Abnutzung notwendig. Seltener müssen die Prothesen komplett gewechselt werden. 40 Prozent der Patienten, die sich solchen sogenannten Wechseleingriffen oder Revisionen unterziehen müssen, sind zwischen 70 und 79 Jahre alt. Ob die erste oder zweite Hüftprothese eingesetzt werden muss: Wichtig ist, für diesen Eingriff einen Spezialisten aufzusuchen. Generell gilt: Je mehr Hüftgelenke Ärzte operieren, desto routinierter sind sie darin und desto sicherer ist der Eingriff für den Patienten.

Ebenfalls ein häufiger Grund für eine Hüft-OP ist der Oberschenkelhalsbruch. Beispielsweise durch einen Sturz ist dann der Oberschenkelkopf dicht am Gelenk gebrochen. Auch wenn ein Patient eine Hüftkopfnekrose hat, sich also abgestorbenes Knochengewebe im Oberschenkelkopf befindet, ist manchmal eine Operation erforderlich. Im Frühstadium ist hier ein Erhaltungsversuch des Gelenks angezeigt. Ist die Nekrose jedoch zu weit fortgeschritten, so muss das Gelenk durch eine Endoprothese ersetzt werden.

Schnell wieder auf die Beine

Anders als noch vor wenigen Jahrzehnten wissen Ärzte heute, dass frühes Mobilisierennach den meisten Operationenfür die Heilung unerlässlich ist. Statt wie früher langer Bettruhe verordnen sie den Patienten, nach einer Operation so früh wie möglich aufzustehen und das betroffene Gelenk zu bewegen – natürlich unter Anleitung eines Physiotherapeuten. Hierbei wird nach den individuellen Möglichkeiten der einzelnen Patienten geschaut. Schließlich ist nicht jeder Mensch gleich.