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Kniegelenksarthrose: Ursachen, Beschwerden, Behandlung

Die Verschleißerscheinungen im Knie werden als Gonarthrose bezeichnet. In der Regel leiden vor allem ältere Menschen unter einer Arthrose im Knie, aber der Knorpelschaden ist keine reine Alterserkrankung. Wie wird eine Gonarthrose diagnostiziert, wie wird sie behandelt und wie kann ich sie vermeiden?

Was ist die Gonarthrose?

Die Gonarthrose (Kniearthrose) bezeichnet Verschleißerscheinungen am Kniegelenk. Dabei kommt es zu einer fortschreitenden Zerstörung des Gelenkknorpels, später auch der Gelenkflächen und des Knochens. Meist leiden ältere Menschen unter dieser Erkrankung – mit der Zeit bildet sich die Knorpelschicht zurück, die Knochen reiben direkt aneinander. Auch jüngere Personen können an Gonarthrose erkranken, die Ursachen sind meist eine Überlastung des Gelenks, vorangegangene Gelenkschäden durch Unfälle oder Fehlstellungen der Gelenke. Auch bestimmte Berufsgruppen, die viel kniend arbeiten wie z.B. Fliesenleger, sind stärker gefährdet.

Welche Beschwerden treten bei einer Gonarthrose auf?

Patienten klagen häufig über eine verminderte Gehfähigkeit sowie Schmerzen beim Beugen und Belasten des Knies. Hinzu kommen Schmerzen unter Belastung (Anlaufschmerz) und später auch Schmerzen in Ruhe. Ist die Knorpelschicht völlig zerstört, und die Lebensqualität und Mobilität deutlich eingeschränkt kann eine Knieprothese implantiert werden. Diese risikoarme Operation kann die Belastbarkeit des Knies wiederherstellen und zu einem beschwerdegeminderten oder -freien Leben verhelfen. Dabei ist die Implantation einer Knieprothese keine „Verjüngerungstherapie.“ Sie kann aber den Patienten die Mobilität und Lebensqualität zurückbringen.

Wie läuft die Untersuchung/Diagnostik einer Gonarthrose ab?

Am Anfang eines jeden Arztbesuches steht der Austausch zwischen Patient und Arzt, die sogenannte Anamnese. Besteht nach dem Gespräch und der körperlichen Untersuchung durch den Arzt der Verdacht auf eine Gonarthrose, gibt es hier drei maßgeblichen Methoden zur weiteren Diagnostik.

Röntgenuntersuchung

Bei einem Röntgenbild werden die knöchernen Strukturen des Kniegelenks sichtbar. Der Abstand zwischen den Gelenkflächen zeigt, ob sich der Verdacht auf eine Arthrose im Kniegelenk erhärtet. Je geringer der Abstand desto ausgeprägter ist die Arthrose. Bei Knorpelschäden im Anfangsstadium ist der Spalt zwischen den Gelenken noch sehr gering und im Röntgenbild oft nicht zu erkennen. Hier hilft eine MRT-Untersuchung.

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Magnetresonanztomografie (MRT)

Anders als beim Röntgen werden bei einer Untersuchung mit dem MRT auch die Weichteilstrukturen erkennbar. Der Arzt kann also sehen, ob Bänder, Sehnen oder Knorpel beschädigt sind. Bei einer MRT-Untersuchung lässt sich also sehr genau feststellen, ob eine Gonarthrose vorliegt und welcher Schweregrad erreicht ist.

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Computertomografie (CT)

Falls eine Beinfehlstellung als Ursache für die Gonarthrose diagnostiziert wird, wird der Arzt eine Computertomografie veranlassen, um den Grad der Fehlstellung zu erkennen und die nachfolgenden Behandlungsschritte darauf abzustimmen.

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Welche konservativen Therapiemöglichkeiten gibt es bei einer Gonarthrose?

Die Behandlung der Gonarthrose hängt in erster Linie vom Schweregrad der Erkrankung und von den Beschwerden des Patienten ab. Im frühen Stadium helfen neben medikamentösen Therapien auch physikalische Maßnahmen (zum Beispiel Physiotherapie, Elektrotherapie oder Akkupunktur) die Beschwerden zu lindern. Im weiteren Verlauf können Gelenksinjektionen mit einem lokalen Schmerzmittel oder Hyaloronsäure eingesetzt werden um die Beschwerden zu reduzieren.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es operativ bei einer Gonarthrose?

Arthroskopie

Bei fortgeschrittenen Schädigungen kann eine Arthroskopie sinnvoll sein. Bei diesem schonenden, minimal-invasiven Eingriff entfernen die Operateure die Gelenkknorpelfragmente und glätten die verbleibenden Oberflächen. Diese Operation kann die Schmerzen reduzieren und den Gelenkersatz hinauszögern.

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Umstellungsosteotomie (HTO, DFO)

Wenn Patienten eine mittelgradige Arthrose im Kniegelenk haben kann eine Ursache eine Achsfehlstellung des Ober- oder Unterschenkels sein. Dabei weicht die Beinachse von der normalen Anatomie ab. Je nach Art der Achsabweichung spricht man entweder von Varus- oder Valgusdeformität. Durch die Achsfehlstellung kommt es zu einer unphysiologischen Belastung des Kniegelenkes entweder auf der Außen- oder Innenseite. Mittels einer achskorrigierenden Umstellung des Ober- bzw. Unterschenkelknochens kann die Fehlstellung behoben und eine physiologische Belastung des Kniegelenkes wieder erzielt werden. Das vorher weniger belastete Knorpelareal des Gelenkinneren übernimmt nun die Funktion – das schmerzhafte, arthrotisch veränderte Areal wird entlastet. Dabei wird der Knochen osteotomiert, also in die richtige Achse geführt und mittels einer Osteosynthese (Nagel- oder Platte) stabilisiert. Der Vorteil dieses Operationsverfahrens ist, bei noch nicht fortgeschrittener Arthrose, der Erhalt des Gelenkes. Die Nachbehandlung dauert in der Regel 8-12 Wochen an Unterarmgehstützen (UAGS) unter einer Teilbelastung des operierten Beines.

Mediale oder laterale Schlittenprothese

Wenn nur eine Seite/ein Teil des Gelenks beschädigt ist und alle Kniegelenksbänder noch erhalten sind, wird nur auf der Innen- oder Außenseite des Kniegelenkes eine Teilprothese (Schlittenendeprothese, unikondyläre Endoprothese) implantiert. Der Vorteil: Die gesunden Bereiche des Knies und auch die Kreuzbänder bleiben erhalten und der Patient bemerkt in der Regel diese Form der Prothese nicht. In wenigen Fällen einer isolierten Arthrose der Kniescheibe (Patella) und des Gleitlagers (Trochlea) kann auch nur der Knorpel zwischen Kniescheibe und Oberschenkel (Femur) ersetzt werden (Gleitlagerersatzprothese mit Kniescheibenrückflächenersatzprothese). Die Nachbehandlung dauert in der Regel 6-8 Wochen an UAGS unter einer Teilbelastung des operierten Beines.

Oberflächenersatzprothese

Ist das gesamte Kniegelenk erkrankt, wird eine bicondyläre Oberflächenprothese verwendet. Dabei ersetzen die Operateure die gesamte Oberfläche des Kniegelenkes am Ober- und Unterschenkelknochen. Die Seitenbänder müssen intakt sein und werden geschont. Je nach Funktionsfähigkeit und Stabilität des hinteren Kreuzbandes können das hintere Kreuzband erhaltende (CR) oder das hintere Kreuzband ersetzende (PS) Prothesen eingesetzt werden. Die Kniescheibe bleibt erhalten, nur die Rückfläche kann bei Bedarf ersetzt werden.

Teilgekoppelte und Vollgekoppelte Endoprothesen

Bei Instabilität der Seitenbänder kommen Prothesen mit verschiedenen Varianten der Koppelung zwischen Oberschenkel- und Unterschenkelimplantat zur Anwendung. Wenn die Seitenbänder noch vorhanden sind aber in ihrer Funktion schon eingeschränkt sind kann man eine teilgekoppelte Knieprothese implantieren. Durch einen breiteren Zapfen des Kunststoffinlays werden die Seitenbänder für eine ausreichende Stabilität des Gelenkes zusätzlich unterstützt. Bei vollständigem Funktionsverlust der Seitenbänder kommen vollgekoppelte Prothesen zum Einsatz. Dabei stabilisiert sich die Prothese durch die Kopplung selber und ist nicht auf die Funktion der Seitenbänder angewiesen. Mittels unterschiedlich langer und frei wählbaren Stielverlängerungen sowie zusätzlichen Augmentaten wie Cones kann die Stabilität des Kniegelenkes auch bei größeren Knochendefekten wiederhergestellt werden. Modulare Endoprothesen erlauben eine individuelle Anpassung der Prothese an die Bedürfnisse des Patienten: Die einzelnen Bestandteile können je nach Anforderung miteinander kombiniert werden. Diese Prothesen werden bei schwerer Gelenkzerstörung, großen Knochendefekten oder bei Wechseleingriffen als Revisionsprothese eingesetzt.

Wie sieht die Nachsorge aus?

Voraussetzung für eine gute Beweglichkeit des neuen Kniegelenkes ist eine frühe Bewegungstherapie. Diese sollte schon am ersten Tag nach der Operation einsetzen und durch eine optimale Schmerztherapie ergänzt werden.

Eine Motorschiene sorgt für eine passive, gelenkschonende Mobilisation nach der Operation und ergänzt die postoperative Bewegungsübungen, welche unsere erfahrenen Physiotherapeuten tägliche mit dem Patienten durchführen. Ziel ist, die Bewegungsfähigkeit und Belastbarkeit des Knies so schnell wie möglich wiederherzustellen. Dabei arbeiten Orthopäden und Bewegungstherapeuten eng mit den Anästhesie-Ärzten zusammen. Lokale Schmerzkatheder und Schmerzmedikamente sind Bestandteil einer optimalen Schmerztherapie und beschleunigen den Rehabilitationsprozess.

Meist kann der Patient schon einen Tag nach der Operation mit Unterstützung eines Physiotherapeuten aufstehen und nach drei Tagen selbstständig mit Gehstützen gehen: Die nächsten vier bis sechs Wochen ist er auf dieses Hilfsmittel angewiesen, da das operierte Kniegelenk in dieser Phase noch geschont werden sollte. Nach etwa sieben Tagen kann der Patient nach Hause zurückkehren oder eine Rehabilitationseinrichtung besuchen. Die genaue Verweildauer auf der Station hängt von der jeweiligen Wundheilung und der erreichten Beweglichkeit ab. Der gesamte Heilungsprozess kann je nach Operationsverfahren und drei bis 12 Monate oder manchmal auch länger dauern.

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